Veranstaltungen

Vergangene Veranstaltungen

Tagung
Taktilität und Gemeinschaft.
Literatur und Politik der Berührung

 

 

25.-27.09.2017,
Amerikahaus München

Organisiert von Maha El Hissy, Andrea Erwig und Sebastian Haselbeck

 

Während für die Vorstellung von Gemeinschaft in der Moderne häufig Metaphern ‚warmer‘ Berührung und körperlicher Intimität bemüht werden, soll sich Gesellschaft durch Distanz, Taktgefühl und Berührungsangst auszeichnen. Die Tagung geht solchen Vorstellungen und Metaphern in historischer Perspektive nach und befasst sich mit der Funktion, die körperlichen und affektiven Aspekten der Berührung und der Berührungsvermeidung in der Repräsentation politischer und sozialer Machtordnungen zukommt. Literatur und andere Kunstformen stellen dabei nicht nur Modelle und Metaphern des Berührens zur Beschreibung von Gemeinschaft bereit und loten Imaginationen, Wünsche und Ängste aus, die mit Taktilität und Berührung verbunden sind. Vielmehr bringen sie auf produktions-, wirkungs- und rezeptionsästhetischer Ebene auch eigene Spürbarkeiten, Kontaktzonen und Affektpolitiken hervor. Die Tagung widmet sich literarischen, theatralen, filmischen und historiografischen Verkörperungsformen von Gemeinschaft und fragt danach, inwiefern künstlerische Medien selbst Relationen von Nähe und Distanz organisieren, verändern oder gar durchbrechen.

Workshop
Apparaturen der Berührung

 

 

11.-12.01.2018,
Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Organisiert von Daniel Kazmaier und Florian Sprenger 

 

Apparate werden nicht nur berührt, sie dienen auch der Vermittlung von Berührungen. Ob Stifte und Schreibwerkzeuge, künstliche Beine und Schwerter, Magensonden und Presslufthämmer oder Kanalreinigungsroboter und Weltraumsonden – Apparaturen des Berührens dienen der Überwindung einer Ferne durch eine technische Vorrichtung und der Überbrückung einer sinnlichen Distanz. Ihre Geschichte gibt Auskunft über das Verhältnis von Sinnen zu ihrer Vermittlung, insofern sie als Prothesen der Erweiterung dienen und zugleich Berührtes und Berührendes durch ein Intervall verschränken. Dieser Raum des Dazwischen ist Gegenstand des Workshops, der im Rahmen des Netzwerks dazu dient, die poetologische und politische Bedeutung von Berührung an die Materialität und Sensualität von Apparaturen des Berührens zurückzubinden. Ausgehend von der Konfiguration der Apparaturen der Berührung, wollen wir die Fragen danach, wer berührt, was berührt wird und womit Berührung stattfindet, auf eine neue Weise stellen.

 

Ort: Goethe Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, IG-Gebäude, Raum 7.214

 

Donnerstag, 11.01.2018

 

14:00 Uhr: Begrüßung und Einführung

 

14:30 Uhr: Hanna Sohns (Universität Erfurt) und Daniel Kazmaier (Universität des Saarlandes): Berühren von Apparaturen bei Pascal

 

15:20 Uhr: Vera Kaulbarsch (LMU München): Okkulte Telegraphen, menschliche Maschinen: Nähe und Ferne im Spiritismus des 19. und frühen 20. Jahrhundert

 

Pause

 

16.40 Uhr: Jasmin Pfeiffer (FAU Erlangen): Zum Greifen nah – Darstellungen von Berührung in VR-Spielen

 

Pause

 

18.00 Uhr: Timo Kaerlein (Universität Paderborn): Grenzerfahrungen des Digitalen. Mediale Konstellationen des Berührens zwischen Touchscreen und Pervasive Computing

 

 

Freitag, 12.01.2018

 

10:00 Uhr: Leon Gabriel (Goethe Universität Frankfurt): Entzug und Bezug: Berührbarkeit in Walid Raads Scratching on Things I Could Disavow

 

11:10 Uhr: Cornelia Ortlieb (FAU Erlangen): Vor dem Glas. Reliquien der Berührung, Medien des Entzugs

 

12:00 Uhr: Netzwerk-Treffen

 

Tagung
Tangieren.
Praktiken und Arrangements des Berührens in den performativen Künsten

 

12. und 13. April 2018

 

Experimentiertheater der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

 
Organisiert von
Sandra Fluhrer (Erlangen) und
Alexander Waszynski (Erfurt)


in Kooperation mit Bettina Brandl-Risi und Clemens Risi, Institut für Theater- und Medienwissenschaft der FAU Erlangen-Nürnberg


mit Arrangements von Camilla Schlie, Theater Erlangen

 

Tagungsbeschreibung

Den performativen Künsten und Kulturpraktiken eignet ein besonderes Verhältnis zu Formen des Berührens. Ritus, Tanz, Theater und Oper erzeugen multisensorische Erfahrungsräume, die sich durch die körperliche Co-Präsenz von Agierenden, Architektur, Ausstattung und Publikum auszeichnen, die in vielschichtigen Berührungsverhältnissen zueinander stehen.

So kennt etwa das Theater auf nahezu allen denkbaren Kanälen Ausprägungen des Berührens: vom Kontakt der Schauspielerkörper mit dem Bühnenboden, den Masken und Requisiten, über körperliche, verbale und affektive Gesten in der Bühnenhandlung, bis zum Gerührt-, Aufgerührt- und Bewegtwerden der Rezipienten durch auditive, visuelle, haptische und olfaktorische Eindrücke. Auch der Film erzeugt auf und jenseits der Leinwand, dem Kontaktstoff zum Publikum, unter anderem durch Kameraführung, Lichtgestaltung, Schnitt- und Montagetechnik komplexe taktile Relationen. Für die Ausstellungspraxis gilt es zu fragen, wie Exponate über das Hindernis des Berührungsverbots hinweg sinnlich erfahrbar werden können. Kulturgeschichtliche Museen laden indes auch ihre erwachsenen Besucher zunehmend zum Anfassen ein.

Den medialen und ästhetischen sowie den politischen und sozialen Voraussetzungen und Implikationen des Berührens in performativen Künsten und Kulturpraktiken geht die Tagung aus interdisziplinärer Perspektive in vier Sektionen nach:

Vorfelder: Anhand von konkreten Beispielen fragt diese Sektion danach, inwiefern das Verzögern und Vermeiden, das Nichterreichen und Blockieren von Berührungen als integrale Momente des Berührens selbst gefasst werden können oder sogar müssen. In den Blick geraten ästhetische Aushandlungen und Verschärfungen des Konflikts zwischen (medialer) Nähe und (auratischer) Distanz, woran exzessive oder gewaltsame Momente ebenso teilhaben wie körperliche Strategien der Kontaktvermeidung.

 

Zeitlichkeiten: Wie verschieben sich Zeitregime auf und jenseits der Bühne/Leinwand, wie innerhalb von Ausstellungsdispositiven, wenn ‚Berühren‘ nicht als ein kontinuierlich in der Zeit ablaufender Vorgang gefasst wird, sondern als Infragestellung der Idee eines kontinuierlichen Zeitablaufs selbst? Welche ‚anderen‘ Zeitlichkeiten müssten dann, vom Berühren aus, gedacht werden? Wie verhielte sich eine solche Verschiebung zu anderen Kulturtechniken – wie Rhythmus, Ritual, Sprung, Schlag oder Fall?

 

Überforderungen: In ästhetischen Arrangements von Körperkontakten geraten nicht nur Figuren und Objekte unter Druck, sondern auch die Rezipierenden. Wie wird aus einem wahrgenommenen Berühren eine Ansteckung, eine Zumutung, ein Zuviel? Auch das scheinbar Unvermittelte ist material gebunden, an mediale Anordnungen gekoppelt. Wie bedingen und modifizieren mediale Voraussetzungen sensuelle Intensitäten? Inwiefern geraten aber auch mediale Anordnungen, indem sie anderem, beispielsweise ihrem materialen Zerfall, exponiert sind, ihrerseits an die Grenzen?

 

Berührungspolitik: In Hierarchien der Sinne findet sich das Taktile häufig nachgeordnet. Dass die Wirkmächtigkeit des Taktilen dabei unterschätzt oder abgewertet wird, macht das Berühren für Fragen des Politischen besonders interessant. Dabei liegt das Politische nicht außerhalb ästhetischer Praktiken und Arrangements des Berührens, sondern muss bereits innerhalb senso-motorischer Konfigurationen veranschlagt werden, wo bereits kleinste Berührungsverhältnisse Asymmetrien der Macht offenlegen oder hervorbringen können. Wie lässt sich, ausgehend von konkreten Inszenierungen, Textpassagen und Objekten, eine ‚Politik der Körper‘ aushandeln und in Stellung bringen? Und inwiefern vermag gerade die Materialität des Berührens ein emanzipatorisches Potenzial jenseits subjektzentrierter Handlungsbegriffe zu eröffnen?

 

Programmflyer

In Kürze folgende Veranstaltungen

Workshop
Takt und Taktilität

 

 

29.-30.11.2018,
Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin


Organisiert von Andrea Erwig, Sandra Fluhrer, Jakob Gehlen und Elisa Ronzheimer

 

Das Verhältnis von Takt und Taktilität – von geregeltem Rhythmus und individueller Abweichung, von Distanz und Berührung – prägt zentrale Fragen der Poetik von der Antike bis in die Gegenwart. Der Workshop möchte diese bislang wenig systematisierte Beziehung aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Ästhetische Verfahren des Takts sowie poetologische und philosophische Reflexionen über den Takt sollen in Verbindung mit Phänomenen des Taktilen, des Berührens und Berührtwerdens untersucht und historisch kontextualisiert werden. Anthropologische, soziale, politische und mediale Zusammenhänge bieten dabei neue Perspektiven.

 

Im 18. Jahrhundert beginnt die Historisierung von Rhythmus-Konzepten, aus der die begriffliche Differenzierung von ‚Rhythmus‘ und ‚Takt‘ hervorgeht. Von dort aus wird die Geschichte des Takts als einer Form geschrieben, deren Abstraktheit den Bezug zum Körper verdrängt, der durch den antiken Rhythmus gewährleistet war. Takt wird damit bestimmt als abstrakte metrische Form in Abgrenzung von einem individuellen (Körper-)Rhythmus – eine Festschreibung, die nicht zuletzt durch die etymologische Verbindung von ‚Takt‘ und ‚Taktilität‘ unterlaufen wird. Zugleich bildet sich im 18. Jahrhundert eine weitere Bedeutungsdimension des Takts heraus als mögliche Form der Regulierung von Nähe und Distanz im Sozialen. Die Zusammenhänge von poetischem und sozialem Takt sind ein Erkenntnisinteresse des Workshops.

 

Seit dem mittleren 19. Jahrhundert tritt mit dem Takt der Maschinen und dem Takt der Arbeit ein Regelsystem auf den Plan, das tief in alle menschlichen Lebensbereiche eingreift und sich auf vielschichtige Weise auf den poetischen und den sozialen Takt auswirkt. Auch als Widerstand gegen den Maschinentakt suchen philosophische und künstlerische Ausdrucksformen um 1900 nach rhythmischer Freiheit und Lebendigkeit. Rhythmus wird (erneut) zu einer zentralen Kategorie in Dichtung, Theater, Tanz, Film und Philosophie. Neben prozessualen Denk- und Ausdrucksformen geraten dabei Momente der Abweichung und Unterbrechung in den Blick, etwa das Stocken, Hinken und Hängenbleiben in Taktstrukturen. Begleitet werden diese Prozesse um 1900 nicht nur von einer Taktung des Alltagslebens, sondern auch von umfassenden physiologischen Studien, die Körperbewegungen vermessen und auf Regelmäßigkeiten untersuchen. In soziologischen und anthropologischen Diskursen des frühen 20. Jahrhunderts gewinnen Debatten um den geregelten Takt im Rahmen der idealtypischen historischen Differenzierung zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft neu an Brisanz.

 

Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen tritt die Relevanz des Verhältnisses von Takt und Taktilität am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts besonders deutlich zutage: Welche Rolle spielen Takt und Taktilität im Zusammenhang mit der Deregulierung der Arbeitswelt, dem Wunsch nach Entschleunigung und neuen Möglichkeiten einer ‚Selbst-Taktung‘ des Lebensrhythmus? Welche alternativen Takt-Ökonomien werden hierbei hervorgebracht? Welche Funktion kommt in diesem Kontext neuen Medien und Smartphone-Technologien zu? Welche Sinne und Sinnlichkeiten des Takts werden aktiviert oder ausgebildet und welche Verschiebungen von Nähe-Distanz-Relationen lassen sich beobachten?

 

Der Workshop möchte diese Fragen mit dem Ziel diskutieren, einen systematischen Ansatz zur Beschreibung des Verhältnisses von Takt und Taktilität zu erarbeiten.

Tagung
Kritische Denkfiguren des Berührens

 

 

4.–6.4.2019,

Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin

 

Organisiert von Andrea Erwig, Vera Kaulbarsch und Johannes Ungelenk